Warum wurde das Metronom als Taktgeber erfunden?

Das Metronom als Taktgeber wurde Anfang des neunzehnten Jahrhunderts patentiert. Es war die Zeit der Erfindungen von Automaten. Dampfmaschine und Eisenbahn nahmen Fahrt auf. Aber auch Musikautomaten, die Musikstücke in immer gleichem Tempo abspielen konnten, lagen hoch im Kurs.
 

Welche Hilfestellung gibt ein Metronom als Taktgeber?

Der Überlieferung nach soll Beethoven völlig begeistert gewesen sein, als ihm der kluge Werbestratege Johann Nepomuk Mälzel ein Taktell zum eigenen Gebrauch übersandte. In einem beigefügten Empfehlungsschreiben bat er den Komponisten, die neue Erfindung seinen Musikschülern und auch anderen Musiklehrern ans Herz zu legen.
 

Beethoven hatte oft beklagt, seine Stücke würden im verkehrten Tempo aufgeführt. Da es bis dato aber keine Taktmesser gab, bedienten sich die Interpreten jener Zeit der eher subjektiv gefühlten Regeln zum Musizieren. Obwohl das Metronom ein striktes Einhalten eines gleichmäßigen Tempos erlaubte, metronomisierte Beethoven nur 25 seiner 400 Werke.
 

Heutzutage sind Metronomangaben auf den meisten Partituren zu finden. Sie geben dem Schüler das Tempoziel vor, an das es sich heranzuarbeiten gilt. Überdies schult es die Fingerfertigkeit und hilft bei der Koordination von Hören und Tastenanschlag.
 

Wie wurde das Tempo ohne ein Metronom als Taktgeber definiert?

Bevor das Metronom als Taktgeber eine Rolle spielte, orientierten Musiker sich an Regeln, die mündlich vom Lehrer an den Schüler weitergegeben wurden. Daher verfügten Musiker nicht nur über technische Fähigkeiten, um ein Instrument erklingen zu lassen, sondern wussten aus Taktart und Notenwerten das „tempo giusto“ zu ermitteln, was so viel bedeutete wie „angemessenes Tempo“. Hierbei orientierten sie sich an folgenden Regeln:
 

    1. Kleine Taktarten wurden schneller gespielt als größere.
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    3. Enthielt ein Stück viele 16tel oder 32tel Notenwerte, wurde es langsamer gespielt als Stücke, die nur aus Viertel- und Achtelnoten bestanden. Grundsätzlich galt: Je mehr Noten in einem Takt zu spielen waren, desto langsamer musste das Stück zu Gehör gebracht werden. Wie entscheidend der Rhythmus für die Wirkung eines Musikstücks ist, zeigt dieses Beispiel. Der Rhythmus bezeichnet die Wiederholung von Anschlägen in einem bestimmten Zeitabschnitt.
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    5. Als weiterer Anhaltspunkt dienten Modifikationen des „tempo giusto“ durch klassische Tempobezeichnungen.
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    7. Neben der durch den Komponisten detailliert beschriebenen Anleitung zum Vortrag der vorliegenden Komposition spielten jedoch auch Umgebungsvariablen eine Rolle. So führten große und hallige Räume zu langsameren Tempi, während kleine Räume mit trockener Akustik schnellere Tempi erlaubten.

 

Fazit

Ohne Metronom als Taktgeber gäbe es keine präzise Definition eines Tempos. Vor seiner Erfindung hatten Musiker ihren eigenen Handlungsspielraum bei der Interpretation eines Musikstücks und orientierten sich an einem von Generation zu Generation weitergegebenen Temposystem. Sofern erforderlich, passten sie das Tempo verschiedenen Gegebenheiten an, wie etwa Größe des Aufführungssaals oder Besetzungsstärke des Ensembles. Erst durch das Metronom als Taktgeber konnte ein absolutes Tempo angegeben und reproduzierbar gespielt werden.


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