Klavierhocker oder Klavierbank – was ist besser?

Klavierhocker und Klavierbank unterscheiden sich auf den ersten Blick deutlich voneinander.
 
Klassische Klavierhocker besitzen in der Regel drei Beine und eine runde oder eine kleine viereckige, leicht konkave Sitzfläche. Sie lassen sich durch Drehen des Sitzes in der Höhe verstellen.
 
Im Gegensatz dazu gehören zur Standardausstattung einer Klavierbank mindestens zwei stabile Füße oder vier Beine, eine deutlich größere viereckige Sitzfläche und unterschiedliche Mechaniken zur Höhenverstellung.
 

Was spricht für den Klavierhocker?

Als ich im Alter von sieben Jahren meine erste Klavierstunde absolvierte, bat mich meine damalige Klavierlehrerin auf einem runden Hocker Platz zu nehmen – drei Beine, Eiche rustikal, die runde Sitzfläche in der Mitte mit Leder ausgekleidet. Mit ein paar Drehbewegungen brachte sie das antike Stück in die für mich richtige Höhe. Sie ermahnte mich, nicht auf dem Stuhl „herumzuzappeln“. Los ging es mit ersten leichten Fingerübungen, die sich allesamt im Bereich einer Tonleiter abspielten.
 
Für mich spricht in erster Linie Nostalgie für Klavierhocker. In den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts waren sie zahlreich vertreten, Klavierbänke eher die Ausnahme. Sobald das Klavierspiel eine Gewichtsverlagerung erfordert, weil es sich über mehrere Oktaven erstreckt, fühle ich mich auf einem dreibeinigen Hocker nicht mehr sicher. Hinzu kommen die ständigen Drehungen, die bei Bewegungen nach links beziehungsweise rechts ausgeführt werden. Ich merke, wie ich verschiedene Muskeln anspanne, um eine stabile Sitzposition beizubehalten. Ich bevorzuge daher eine Klavierbank – wie die meisten Klavierspieler, die ich kenne.
 

Was spricht für die Klavierbank?

Klavierbänke haben meist eine Sitzauflage von 29 x 52 Zentimetern bei Sitzen mit Holzkante. Sofern die Bank mit einem Heftpolster ausgestattet ist, vergrößert dies den Sitz auf 32 x 55 Zentimeter. Sie bietet damit gut 20 Zentimeter mehr Platz in der Breite als ein herkömmlicher Klavierhocker, dessen Sitzfläche in etwa 30 Zentimeter im Durchmesser beträgt.
 
Je mehr ich aus meinem Instrument herausholen wollte Klavierhocker oder Klavierbank, desto mehr wusste ich die Stabilität meiner Klavierbank zu schätzen. Während der Klavierhocker ähnlich einem Bürostuhl jede Bewegung nach links bzw. nach rechts mitmachte, stand meine Klavierbank in stoischer Gelassenheit und unterstützte mich selbst bei den ausladendsten Stücken. So kurios das klingen mag – auf meiner Klavierbank fühle ich mich beweglicher.
 
Klavierbänke werden mittels teils aufwendigen Mechanismen in der Höhe verstellt: Die Palette reicht vom Handkurbelbetrieb bis zum stufenlosen kaum merklichen Anheben des Sitzes. Im Gegensatz dazu lässt sich der Klavierhocker ausschließlich von Hand in der Höhe verstellen. Das Spindelgewinde trägt dabei das gesamte Gewicht des Spielers. Eine Höhenverstellung im Sitzen führt unweigerlich zu einem Drehwurm.
 
Weiterhin sprechen folgende Argumente für Klavierbänke:
 

            • Sie können Notenfächer enthalten.
            • Ihre Sitze sind abnehmbar.
            • Es gibt Modelle mit fest verleimten oder verschraubten Beinen.
            • Je nach Modell können Sie zugeklappt werden. Sie verbrauchen nicht viel Platz für die Aufbewahrung und können leicht transportiert werden.

 

Fazit

Der Klavierspieler muss seine Konzentration auf das Klavierspielen richten und nicht auf das Korrigieren seiner Haltung. Der Klavierhocker bringt wenig Standfestigkeit und Stabilität mit, da er dazu neigt, sich mit dem Pianisten zu drehen.


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