Ein Metronom benutzen – Anleitung in 3 Schritten

Pianisten und fortgeschrittene Klavierspieler wissen, wie wertvoll und unverzichtbar Übungseinheiten mit dem Metronom sind, das auch als Taktell bezeichnet wird. Zu Anfang der Ausbildung gibt einem die Arbeit mit dem Metronom oft Rätsel auf. Vor allen Dingen während der privaten Übungseinheiten treten immer wieder Unsicherheiten auf. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen.
 
Wie Sie ein Metronom benutzen, um Ihre Technik zu verbessern und Musikstücke für die Ewigkeit zu erlernen, verraten wir Ihnen in diesem Artikel.
 

1. Was bedeuten die Beschriftungen auf dem Metronom?

Bevor wir jetzt die Arbeit mit dem Metronom beginnen, werfen wir zunächst einen Blick auf die Skalen zweier gängiger Modelle, die bei Klavierspielern häufig zum Einsatz kommen: das mechanische Metronom mit Pendel und ein elektronisches Metronom.

Metronom benutzen - Skala mechanisches TaktellSkala mechanisches Taktell

 

Metronom benutzen - Skala Wittner TaktellSkala elektronisches Taktell

 

Auf beiden Skalen befinden sich Tempoangaben sowohl in Zählzeiten pro Minute (beats per minute) als auch in italienischen Tempowörtern.

Die in Deutschland verwendeten Metronomangaben haben wir in folgender Tabelle zusammengefasst:

Metronom benutzen - Tempoangaben

 

Metronom benutzen - Notierung für Taktell

 

Tempowort und/oder bpm-Angabe kann zu Beginn der meisten Stücke abgelesen werden.

 

 

 

Sobald die Tempoangabe auf dem Metronom eingestellt ist, gibt das Gerät die gewählte Zählzeit vor. Die zu Beginn eines Stückes notierte Zählzeit zeigt das optimale Tempo, das es im Übungsverlauf zu erreichen gilt. Es zeigt NICHT das Tempo, mit dem das Einüben eines neues Stückes begonnen werden sollte!
 
 

2. Wie kann ich das Metronom benutzen, um meine Technik zu verbessern?

Das Metronom hilft dem Klavierspieler dabei, die Tasten in einem vorgegebenen Tempo anzuschlagen. Auf jeden Klick des Metronoms muss eine Taste sauber angeschlagen werden. Ziel ist es, jeden Anschlag mit dem Klick des Metronoms gleich laut (oder leise) zu synchronisieren.
 
Vorübungen
Im ersten Schritt geht es darum, ein Gefühl zu entwickeln, wie die zehn Finger gleichmäßig zum Klang des Metronoms bewegt werden müssen. Dazu eignet sich folgende Vorübung:
 

    1. Setzen Sie sich aufrecht an einen Tisch und platzieren Ihr Metronom vor sich auf die Tischplatte.
    2.  

    3. Stellen Sie das Metronom auf 60 bmp ein. Das Gerät tickt jetzt jede Sekunde ein Mal, um auf 60 Schläge pro Minute zu kommen.
    4.  

    5. Legen Sie beide Hände flach parallel zueinander auf die Tischplatte.
    6.  

    7. Hören Sie dem Metronom eine Weile zu.
    8.  

    9. Sobald Sie mit den Schlägen vertraut sind, klopfen Sie den Rhythmus zunächst mit ihrem rechten Daumen. Führen Sie den Schlag Ihres Daumens mit dem Schlag des Metronoms gleichzeitig aus.
    10.  

    11. Wiederholen Sie die Übung für alle anderen Finger.
    12.  

    13. Schlagen Sie den Takt nun mit allen Fingern nacheinander. Beginnen Sie dem kleinen Finger der linken Hand und enden mit dem kleinen Finger der rechten Hand.
    14.  

    15. Wenn diese Übung im Tempo 60 bpm ohne Nachdenken und fehlerfrei funktioniert, dann stellen Sie das Metronom eine Stufe schneller und wiederholen alle Schritte von 3. bis 7.
    16.  

 
Achten Sie bei dieser Übung darauf,
 

        • nur den Finger von der Tischplatte abzuheben, der den Takt klopft. Alle übrigen Finger sollten fest auf der Tischplatte liegen bleiben.
        •  

        • weder auf ihre Finger noch auf das Metronom zu schauen. Schauen Sie einfach geradeaus auf ein imaginäres Notenblatt.
        •  

        • langsam in kleinen Schritten voranzugehen. Ein Metronom benutzen Sie deshalb, um Schritt für Schritt das Muskelgedächtnis  der Finger zu trainieren.

 
Fingerübungen
Nachdem Sie Metronomklang und Anschlag der einzelnen Finger ohne Instrument zu synchronisieren gelernt haben, beschäftigen Sie sich jetzt mit Tonleitern. Starten Sie mit C-Dur. Im ersten Schritt geht es darum, die weißen Tasten sauber anzuschlagen.
 

    1. Stellen Sie 60 bpm auf Ihrem Metronom ein. Damit spielen Sie 60 Viertelnoten in einer Minute.
    2.  

    3. Spielen Sie die C-Dur-Tonleiter zunächst nur mit der rechten Hand.
    4.  

    5. Achten Sie darauf, bei jedem Klicken des Metronoms, den Ton auf dem Klavier anzuschlagen.
    6.  

    7. Wiederholen Sie die Schritte 2 und 3 so lange, bis Sie die Tonleiter fehlerfrei mit der rechten Hand spielen können.
    8.  

    9. Spielen Sie die C-Dur-Tonleiter nun nur mit der linken Hand.
    10.  

    11. Achten Sie auf präzises Synchronisieren von Metronomklick und Anschlag.
    12.  

    13. Wiederholen Sie die Schritte 5 und 6 so lange, bis Sie die Tonleiter fehlerfrei mit der linken Hand spielen können.
    14.  

    15. Spielen Sie die C-Dur-Tonleiter zuletzt mit beiden Händen.
    16.  

    17. Auch diesmal achten Sie bitte auf absolute Präzision zwischen Metronom und Anschlag.
    18.  

    19. Wenn Sie die C-Dur-Tonleiter mit beiden Händen fehlerfrei bei 60 bpm zehnmal hintereinander spielen können, dann stellen Sie das Metronom auf die nächsthöhere Geschwindigkeit ein, zum Beispiel 63.
    20.  

Wenn Sie die C-Dur-Tonleiter mit beiden Händen fehlerfrei bei 160 bpm spielen können, wechseln Sie zur nächsten Dur-Tonleiter im Quintenzirkel, G-Dur.
 
Achten Sie bei dieser Übung darauf,

        • dass Sie Ihre Finger und Ihr Gehör gleichermaßen schulen.
        •  

        • dass Sie ein Fünftel Ihrer Übungszeit diesen technischen Übungen widmen.
        •  

        • dass Sie jede Übung so lange beibehalten, bis sie durch eine neue ersetzt wird.

 
Genauigkeit, nicht Geschwindigkeit trainieren
In meinem ersten Jahr als Klavierschülerin hätte ich am liebsten jedes Stück gleich in Höchstgeschwindigkeit geübt. Ich ertappte mich oft dabei, wie ich versuchte, dem Metronomschlag auf den Tasten „hinterzurennen“. Nach einer Weile sah ich allerdings ein, dass Klavierspielen lernen einfach seine Zeit braucht.
 
Ich vertraute meinem Klavierlehrer und begann jedes neue Stück in dem langsamsten Tempo, dass sich auf dem Metronom einstellen lies (40 bpm). Das hatte einen enormen Vorteil: Derartig langsam kam ich mit jedem Stück sofort gut zurecht. Ich spielte von Beginn an alle Noten exakt, weil ich genügend Zeit hatte, die Partitur zu lesen und Gehirn und Hände langsam an ein neues Stück zu gewöhnen. So gelang es mir oft während einer Übungsstunde, zwei bis drei Tempoeinheiten einzustudieren. Innerhalb weniger Monate konnte ich so die meisten Stücke in Originalgeschwindigkeit spielen.
 
Ich führte Tagebuch und notierte mir alle Tempi, die ich am Tag erfolgreich absolviert hatte. Das motivierte mich zusätzlich. Nach einem Jahr warf ich erneut einen Blick in mein Tagebuch und war mächtig stolz auf mich. Auch nach Jahren kann ich heute Stücke, die ich nach dieser Methode einstudiert habe, immer noch fehlerfrei spielen.
 

Gehör schulen
Je präziser und gefühlvoller Sie mit den Tasten Ihres Instruments umgehen, desto begeisterter wird es Ihnen Ihr Publikum danken:
 
Lang Lang, Chopin, Walzer Nr. 1, op34
Glenn Gould, Bach, Das Wohltemperierte Klavier, 2. Buch, Nr. 22, in b-Moll
Wolfgang Dauner, Drachenburg für R
 
Wichtig ist, dass der Klick des Metronoms exakt mit dem Anschlag der Taste zusammenfällt. Beim Üben geht es darum, Gehör und Fingermotorik zu koordinieren. Jedes Einüben der Anschlagtechnik ist auch immer ein Tonstudium.
 
 

3. Wie kann ich das Metronom benutzen, um Stücke einzuüben?

Wie schon erwähnt, erreichen Sie Ihr Ziel am schnellsten, wenn Sie Genauigkeit, nicht Geschwindigkeit trainieren. Je langsamer Sie das Üben eines Musikstücks beginnen, desto schneller werden Sie es fehlerfrei im Originaltempo spielen können. Woran liegt das?
 
Alle Abläufe, die ein Mensch wiederholt, speichert unser Gehirn ab. Dabei ist es dem Gehirn egal, ob der Durchgang fehlerhaft oder korrekt ausgeführt war. Das Gehirn interpretiert nicht, es sammelt lediglich Informationen. Üben Sie nun ein Stück zu schnell ein und wiederholen verschiedene Fehler immer wieder, speichert Ihr Gehirn diese Fehler ab. Wenn Sie das Stück nach Jahren dann wieder anstimmen, können Sie sicher sein, dass alle Fehler noch da sind.
 
Bewegungslernen hilft uns, korrekte Ergebnisse auf ewig abrufen zu können. Ein Metronom benutzen Sie dabei als sturen Lehrmeister. Profimusiker und diplomierte Musiklehrer schwören daher auf diese Methode:
 

    1. Stellen Sie das Metronom auf die Geschwindigkeit ein, die am Anfang der Partitur angegeben ist, und hören Sie sich an, welches Tempo Sie erreichen wollen. Das ist Ihr Ziel!
    2.  

    3. Stellen Sie das Metronom zunächst auf ein langsames Tempo ein, zum Beispiel 60 bmp. Experimentieren Sie. Die für Sie richtige Einstellung ist diejenige, in der Sie die Noten fehlerfrei spielen können.
    4.  

    5. Üben Sie zunächst mit der rechten Hand. Auf jedes Metronomklacken gehört folgende Anzahl an Notenwerten bei Vierteltakten (2/4, 4/4, 3/4):
       
      – eine Viertelnote
      – zwei Achtelnoten
      – vier Sechzehntelnoten usw.
       
      Sofern Sie ein Stück im 6/8-Takt einstudieren, spielen Sie pro Taktschlag des Metronoms eine Achtelnote. Um eine punktierte Viertelnote zu spielen, benötigen Sie drei Metronomschläge.
    6.  

    7. Wenn Sie die rechte Hand fehlerfrei in dem gewählten Tempo spielen können, wechseln Sie zur linken Hand.
    8.  

    9. Nachdem Sie beide Hände getrennt voneinander fehlerfrei spielen können, probieren Sie es jetzt mit beiden Händen gemeinsam.
    10.  

    11. Gelingen Ihnen 10 fehlerfreie Durchgänge im gewählten Tempo, sind Sie bereit für Ihren ersten Temposprung.
    12.  

Achten Sie bei dieser Übung darauf,
 

        • dass Sie beim Spielen keine Fehler machen.
          Klappt das beidhändige Spielen nicht, stellen Sie auf dem Metronom ein langsameres Tempo ein. Sind Sie bereits beim langsamsten Tempo eingestiegen, üben Sie das Stück noch einmal mit jeder Hand getrennt.
        •  

        • dass Sie Ihre Tempofortschritte in einem Tagebuch notieren.
          Verwenden Sie dazu ein Vokabelheft und tragen in die erste Spalte den Namen des Stücks ein und wo es zu finden ist (z. B. Burgmüller-Etüden, S. 25). In der zweiten Spalte notieren Sie das fehlerfrei erreichte Tempo und in Klammern dahinter das jeweilige Tagesdatum.
        •  

        • dass Sie am nächsten Tag mit dem Tempo des vorletzten fehlerfreien Durchgangs beginnen, um sich warm zu spielen.

 
Haben Sie beispielsweise am Montag das Tempo 63 erreicht, am Dienstag bereits 66, dann steigen Sie am Mittwoch mit Ihrer Übung wieder bei 63 ein. Gelingt das Spiel fehlerfrei, wechseln Sie zu 66. Gelingt auch dieses Tempo fehlerfrei, sind Sie bereit für das nächsthöhere Tempo.
 

Fazit

Wollen Sie Musikstücke dauerhaft korrekt und technisch einwandfrei einstudieren, sollten Sie ein Metronom benutzen. Es verhilft Ihnen zu schnellerem Erfolg. Außerdem können Sie mithilfe des Metronoms Ihre Erfolge täglich dokumentieren.


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